Weinheim/Bergstrasse. Es ist erst sechs Jahre her, da forderte der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald einen vollständigen Verzicht auf Windkraftanlagen, um das Landschaftsbild zu erhalten. Doch seit Fukushima haben sich die Prioritäten verschoben. Gestern vollzog der Geopark bei seiner Mitgliederversammlung in Weinheim gewissermaßen zugunsten der Energiewende die Kehrtwende.


In dem mit großer Mehrheit gefassten Beschluss heißt es unter anderem: „Der Geo-Naturpark sieht sich im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie verpflichtet, einen aktiven Beitrag für den Ausbau regenerativer Energien zu leisten.“ Hierzu zählen demnach Holzressourcen, Biomasse und Windenergieanlagen. Diese sollten jedoch „unter sorgfältiger Abwägung der Belange von Natur und Landschaft“ gesteuert werden. Und weiter heißt es in dem Beschluss wörtlich: „Eine flächenhafte Streuung von Einzelanlagen ist in jedem Fall zu verhindern.“ Wie der Geopark-Vorsitzende, Landrat Matthias Wilkes, erklärte, wolle man „keinen Wildwuchs von Windrädern“, sondern setze auf einige wenige Standorte, weil dies die Auswirkungen auf das Landschaftsbild begrenze und auch aus wirtschaftlichen Erwägungen sinnvoller sei. Bei konkreten Projekten bitte man die Planungsbehörden, den Geopark frühzeitig einzubeziehen.

Wie die Diskussion zeigte, hätte sich mancher der Anwesenden einen konkreteren Beschluss zum Thema Windkraft gewünscht. Doch die unterschiedlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen der drei Bundesländer, zu denen der Geopark gehört, ließen offenbar nicht mehr zu. Und so blieb es bei diesem Grundsatzbeschluss, der den Spagat zwischen Energiewende und Landschaftsschutz versucht. Denn das „Ja“ zur Windkraft wird wenige Sätze später gleich wieder eingeschränkt: „Das charakteristische Landschaftsbild und die Erholungseignung der Landschaft dürfen durch die Errichtung und den Betrieb von Windenergieanlagen nicht beeinträchtigt werden.“ Ein Antrag aus den Reihen der Mitglieder, diesen Satz aus dem Beschluss ersatzlos zu streichen, wurde mit 34 zu 17 Stimmen abgelehnt. Dies war freilich der einzige strittige Punkt der Mitgliederversammlung.

Einstimmig wurden die Naturdenkmäler „Goethefelsen“ und „Herrgottsberg“ bei Darmstadt zum „Geotop des Jahres“ bestimmt. Auch die Berichte der Geschäftsstelle des Geoparks über laufende und künftige Aktivitäten stießen auf breite Zustimmung.

So erläuterte Claudia Eckhardt die erfolgreiche Arbeit der Geopark-vor-Ort-Gruppen; und Dr. Jutta Weber stellte neue Angebote der vier „Eingangstore“ und zehn „Infozentren“ des Geoparks vor. pro/sm

Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 20.03.2012