Gemeindevertretung stellt sich gegen EGO-Rotoren

Die Gemeinde Sensbach verweigert dem Bau von sechs Windrädern auf der Sensbacher Höhe das Einvernehmen. Mit dem einstimmigen Nein zum Projekt der Energiegenossenschaft Odenwald hat die Gemeindevertretung Bedenken aus der Bevölkerung aufgegriffen und auf die Unvollständigkeit der Unterlagensituation reagiert.

UNTER-SENSBACH

„Wenn man schon krank wird und die Natur kaputtmacht, verdienen wir wenigstens was”, so fasste einer der sehr zahlreichen Besucher der jüngsten Gemeindevertretersitzung Sensbachtals seine Gedanken in Worte. Einziger Tagesordnungspunkt war die „Herstellung des Einvernehmens“ zur Errichtung der von der Energiegenossenschaft Odenwald (EGO) geplanten sechs Windkraftanlagen mit 149 Meter Nabenhöhe auf der Sensbacher Höhe, bei dessen Behandlung es aber anders kam, als in der Wortmeldung angenommen.

Als Ziel von Gemeindevorstand und Gemeindevertretung gab deren Vorsitzender Karlheinz Gärtner eingangs der Beratungen noch „eine maßvolle Umsetzung der Gesetzesvorgaben“ an. Bürgermeister Egon Scheuermann ging dazu näher auf die Planung ein, verwies auf Paragraf vier des Bundesimmissionsschutzgesetzes und auf den gemeinsamen Flächennutzungsplan der Odenwaldkreiskommunen. Fragen seien seitens des Regierungspräsidiums offen bezüglich Wasser, Natur- und Denkmalschutz. Die Genehimgungsbehörde habe deshalb beim Antragsteller EGO weitere ausführliche Gutachten angefordert.

Auf die somit fehlenden Nachweise für die Verträglichkeit der Rotoren gründete die Gemeindevertretung denn auch ihre Stellungnahme, die einstimmige Verweigerung des Einvernehmens für das Projekt. Wie Scheuermann anfügte, liegt es nun am Regierungspräsidium, ob es nach Herstellung einer vollständigen Unterlagensammlung den Gemeindewillen dominiert und als übergeordnete Instanz die Genehmigung erteilt.

Wie berichtet, kümmert sich um die Windräderfrage in der Südkreis-Gemeinde neben den Offiziellen seit einigen Wochen eine Bürgerinitiative „Gegenwind Sensbacher Höhe“. Wie Gärtner und Scheuermann ausdrücklich lobten, gehen die Aktivisten dabei sachlich, korrekt und fair vor. Wie die Gemeindeorgane spricht sich die BI ausdrücklich nicht gegen Windkraftnutzung aus.

Sie formuliert aber die erheblichen Bedenken, die es seitens der Bürgerschaft in Sachen Infraschall und Quellen gibt. Der Höhenrücken zwischen Sensbachtal und Gammelsbach ist gleich in mehrfacher Hinsicht als Schutzgebiet ausgewiesen, etwa Natura 2000 und FFH-Gebiet. Drei der geplanten Anlagen sollen außerdem in einem Wasserschutzgebiet der Zone III errichtet werden. Üblicherweise sind bei Sitzungen von Gemeindeparlamenten Gäste als Zuhörer erwünscht. Das Sensbacher Parlament bot zusätzlich zur jüngsten Bürgerversammlung sogar noch einmal ein Diskussionsforum an, das sehr eifrig und teils auch emotional genutzt wurde. Dabei wurde deutlich, dass die Skepsis in der Bevölkerung die der Parlamentarier noch übertrifft.

Unverständnis äußerten etliche Redner über die Abstandsregelung gerade mit Blick auf den als gefährlich erkannten Infraschall. Schon seit geraumer Zeit gelte etwa in England auf Grundlage entsprechender Gutachten ein Mindestabstand von drei Kilometern, im benachbarten Bayern seien es immerhin 2,5 Kilometer. Lothar Moll hat in einem eigenen Schreiben an das RP die Einhaltung der diversen Naturschutzauflagen angemahnt und eingefordert. Er ist es auch, der auf eigene Kosten drei Gutachten zum Thema Infraschall bestellt und einen Fachanwalt eingeschaltet hat – mit Klageoption, der sich andere Ortsbürger anschließen können.

Reinhard Lenz wies eindringlich auf die am Bergrücken entspringenden acht Quellen hin, die teilweise der Trinkwassergewinnung für die Talbewohner dienen. Die Zerstörung dieser Quellen durch die tiefgründigen Fundamente von Windrädern habe nicht vorhersehbare Folgen. Mit Bezug auf die vom RP bei EGO angeforderten zusätzlichen Gutachten wurde auch die Forderung nach eigenen Vergleichsgutachten laut. Denn Expertisen seien in der Regel einseitig an den Interessen der Auftraggeber ausgerichtet.