Energiegenossenschaft stoppt Windräder-Projekte (veröffentlicht am 16.04.2014 18:04 auf echo-online.de)

Die Energiegenossenschaft Odenwald (EGO) gibt ihre Windräder-Projekte für die Sensbacher Höhe und die Höhenlagen beim Finkenberg auf. Das haben die Vorstände Christian Breunig und Thomas Mergenthaler am Mittwochnachmittag publik gemacht.


BEERFELDEN/SENSBACHTAL /ROTHENBERG.

„Wir haben immer gesagt, dass wir gegen die Gebote der Wirtschaftlichkeit und gegen den Willen der Bevölkerung keinen Windpark schaffen werden“, rief Vorstandssprecher Christian Breunig im ECHO-Gespräch für die Energiegenossenschaft Odenwald (EGO) in Erinnerung, um hinzuzufügen: „Wir halten Wort.“

Was das für Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens angesichts aktueller Entwicklung in Gutachten-Situation und Windräder-Debatte konkret bedeutet, macht deren Entscheidung vom Mittwoch deutlich: Die EGO wird dem Regierungspräsidium in Darmstadt erklären, dass sie ihre Bauanträge für acht Windräder in den Höhenlagen rund um den Finkenberg im Westen der Einzugsgebiete von Beerfelden und Rothenberg und sechs auf der Sensbacher Höhe zwischen Beerfelden und Sensbachtal nicht weiterverfolgt.

Wie Breunigs Vorstandskollege Thomas Mergenthaler erläuterte, wird dies offiziell zu einer Aussetzung des laufenden Genehmigungsverfahrens führen. Dieser Status aber erkläre sich rein gesetzestechnisch und werde zudem der Situation gerecht, dass im Hinblick auf den weiteren Abstimmungsbedarf unter anderem mit den Grundstückseigentümern der Vorgang nicht einfach für beendet erklärt werden könne.

„Von uns aus wird es nicht zu einer Wiederaufnahme kommen“, bekräftigte Vorstandssprecher Breunig, dass es sich beim Vorgehen der EGO „um einen Ausstieg ohne Hintertürchen“ handelt. Der Rückzug zum jetzigen Zeitpunkt erklärt sich dabei nach Aussage der beiden Vorstände daraus, „dass sich eben nun die Ausschluss-Kriterien als erfüllt gezeigt haben“. So lägen der Genossenschaft im Zuge der Ergänzung ihrer Unterlagen für das laufende Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz inzwischen Gutachten vor, nach denen Windzuverlässigkeit und -stärke am Finkenberg Zweifel an der wirtschaftlichen Betriebsfähigkeit von Windrädern an dieser Stelle nähren.

Da die finanzielle Beratungs- und Kontrollinstanz des Unternehmens diese Bedenken teile, sei die Absage des Projekts logische Konsequenz. Für die Sensbacher Höhe stellten sich die Windhöffigkeit und damit die Aussicht auf einen gewinnträchtigen Betrieb zwar besser dar. „Hier aber ist noch eindeutiger als am Finkenberg der zweite von uns vorgegebene Hinderungsgrund für eine Projektumsetzung gegeben“, begründete Breunig den Komplettausstieg.

Wie der EGO-Sprecher wissen ließ, haben seine Kollegen und ihn die ablehnende Reaktion auf die Vorstellung des Projekts in einer Bürgerversammlung, die daraufhin erfolgte Gründung einer Bürgerinitiative und der Zuspruch zu deren Zielen beeindruckt. Des folgenden und wohl auch damit in Zusammenhang stehenden Vetos der Gemeindevertretung hätte es demzufolge für die Entscheidungsfindung gar nicht mehr bedurft.

„Wenn 40 Prozent der Wahlberechtigten einer Gemeinde eine Unterschriftenliste unterzeichnen, dann kann uns als regionalem Unternehmen das nicht gleichgültig sein“, so Breunig. Ein genossenschaftlicher Zusammenschluss wie die EGO lebe vom Gemeinschaftsgeist seiner Mitglieder, seiner Regionalität und der Identifikation der Bevölkerung mit dem Unternehmen. „Was dem erkennbar zuwiderläuft, können wir einfach nicht machen“, bekräftigte Vorstand Mergenthaler.

Ausdrücklich bezogen Breunig und er diese Aussage auch auf alle weiteren potenziellen Windräder-Areale, auf die sie Zugriff haben. Obwohl dies den Abschied von einem Geschäftszweig bedeute, müsse um den wirtschaftlichen Erfolg der EGO niemandem bange sein. „Wir sind bei unseren Betätigungsfeldern variabel genug aufgestellt, um weiter zu prosperieren“, erklärte Breunig. Nicht bewerten mochte er allerdings das Risiko für Bürger und Politik, es nun verstärkt mit Windräder-Bauambitionen externer Investoren zu tun zu bekommen.

Die EGO selbst sei für Kreis, Städte und Gemeinden als Partner bei Umsetzung von Rotorenprojekten nicht aus der Welt, „doch muss der Anstoß nicht nur allein von den Kommunen kommen, sondern auch durch einen nachgewiesenen Bürgerwillen flankiert sein“.